Kroatien reif für Europäische Union?

Posted on 24. February 2012

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Zagreb (OZ) – Die Kroaten wollen in die Europäische Union. Im Januar stimmten 67 Prozent der wahlberechtigten Südosteuropäer für einen Beitritt ihres Landes in die EU. Am 1. Juli 2013 soll es so weit sein. Dann wird Kroatien das 28. EU-Mitglied.

Doch ist das Land an der Adria reif für diesen Schritt?

Die Korruption ist nach wie vor ein großes Problem in dem Staat mit 4,4 Millionen Einwohnern. Mit der konsequenten Reformierung des Justizwesens zeigen sich jedoch erste Erfolge bei der Bekämpfung von Korruption und organisierter Kriminalität. Zudem ist die Regierung bemüht, die Auflagen hinsichtlich der Aufarbeitung der Kriegsverbrechen durchzusetzen. Dabei zeigt sich jedoch manchmal, dass führende Politiker eine andere Betrachtungsweise haben als Politiker der EU-Staaten. So waren die Kroaten schockiert, als 2011 der Internationale Strafgerichtshof einen kroatischen Kriegsverbrecher zu 24 Jahren Haft verurteilte. „Für uns war der Krieg ein Befreiungskampf, aus dem wir als Sieger hervorgegangen sind. Eine siegreiche Nation hat noch niemals ihre Generäle ausgeliefert. Wir haben es getan, so etwas hat es in der Geschichte noch niemals gegeben“ empört sich Jasna Sutlovic-Pogacic, Deutschlehrerin aus Zagreb.

Die Beitrittsverhandlungen mit Kroatien, die insgesamt 35 Kapitel umfassen, laufen auf Hochtouren. Der Forderungskatalog der EU ist umfassend. Kernpunkte sind neben der Bekämpfung der Korruption sowie organisierten Kriminalität und der Zusammenarbeit mit dem Internationalen Strafgerichtshof unter anderem die Stabilisierung der jungen Demokratie, Rückführung von Flüchtlingen, Aufbau der öffentlichen Verwaltung, Reform der öffentlichen Finanzen, Modernisierung des Justizwesens, Grenzsicherung, Handelsförderung, Verbesserung des Investitionsklimas, Umweltschutz oder schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Vor allem jüngere Menschen sehen in dem EU-Beitritt eine Chance für ihr Land und für sich. In einem anderen Land studieren oder arbeiten — das ist der Wunsch vieler Heranwachsender. Kroatische Schüler träumen beispielsweise oft von einer Zukunft in Deutschland. An den Schulen wird bereits mit Beginn der ersten Klasse die erste Fremdsprache, in der Regel Deutsch oder Englisch, unterrichtet.

Deutschland unterstützt mit einem Förderprogramm die deutsche Sprachausbildung im Ausland und stellt dafür jährlich 45 Millionen Euro bereit. Davon profitiert auch Kroatien.

Bereits seit 1971 ist das Goethe-Institut in dem Küstenstaat aktiv und fördert mit seinen Programmen zum Beispiel die Weiterbildung der Deutschlehrer sowie die Ausstattung der Schulen mit Unterrichtsmaterial. Gute Schüler krönen ihre Sprachausbildung mit dem Erwerb des Deutschen Sprachdiplom, kurz DSD. Als DSD-Schüler haben sie in der vierjährigen Abiturstufe, die an die achtjährige Grundschule anschließt, wöchentlich zwei zusätzliche Deutschstunden.

Doch was motiviert kroatische Jugendliche dazu? „Nach der Schule habe ich dadurch bessere Chancen, in Deutschland zu studieren und zu arbeiten“, sagt die 17-jährige Tea Komes aus der Kleinstadt Krapina. „Es ist schön, Menschen aus Deutschland kennenzulernen“ meint Jelena Buben, Schülerin der 11. Klasse. Sie erhofft sich beispielsweise aus den deutsch-kroatischen Schülerbeziehungen, dass sie die deutsche Sprache bis zur Perfektion erlernen kann.

Doch auch für diejenigen, die nicht ins Ausland gehen möchten, soll der EU-Beitritt Vorteile bringen. „Es werden auch deutsche Unternehmen verstärkt hier im Land investieren. Dann werden sie auch dringend deutschsprachige Fachkräfte aus Kroatien benötigen“, ist sich der Kulturattaché der Bundesrepublik Deutschland in Kroatien, Sebastian Brökelmann, sicher. „Lernen Sie Deutsch und suchen Sie Ihre beruflichen Perspektiven nicht nur im Ausland, sondern auch im eigenen Land“ ermutigt er junge Kroaten.

viaKroatien reif für Europäische Union? – LOKAL – OSTSEE ZEITUNG.

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