Reise-Riesen blasen nach Rekordjahr zum Angriff

Posted on 30. January 2012

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Griechenland, Bulgarien und Kroatien profitierten von den Unruhen in Nordafrika. Die Reisekonzerne jubeln. Lonely Planet empfiehlt Uganda.

Innsbruck, Wien – Österreichs Urlauber lassen sich trotz streikender Taxifahrer, blockierter Häfen und Untergangsstimmung den Urlaub in Griechenland nicht vermiesen. Hellas ist nach wie vor das liebste Urlaubsland der Österreicher nach Spanien. Das schwer verschuldete Urlaubsmekka verzeichnete 2011 ein Gästeplus aus Österreich von 10 %. Zum Vergleich: Spanien legte gerade mal um 2 % zu. Allerdings knabbert die Türkei bereits am zweiten Platz der Griechen und wird heuer die Hellenen auf Rang drei verweisen, erklärte der Vorstand des Reise-Riesen Thomas Cook, Ioannis Afukatudis.

In Tirol führt nach wie vor Nachbarland Italien das Ranking an – dicht auf den Fersen sind ihm die Türkei, Kroatien und Spanien, berichtet Andreas Kröll, Obmann der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Tirol (siehe auch Interview rechts).

Im Sommer 2011 wurden laut Statistik Austria mehr als 5,8 Mio. Urlaubsreisen ins Ausland durchgeführt, ein Drittel davon per Flugzeug – wobei es bei den Flugreisen ein Minus von 5 % gab. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei Auslandsreisen beträgt 7 Tage, bei Inlandsreisen sind es 3,7 Nächtigungen. Nach wie vor boomen Fernreisen, insbesondere in die Karibik, während in Kenia etwas weniger los war.

Apropos Ostafrika: Der Reiseführer-Verlag Lonely Planet kürte Uganda heuer zum Top-Ziel für Reisende abseits der Trampelpfade. Freilich: Für das Land gibt es eine teilweise Reisewarnung vom österreichischen Außenministerium. Im Vorjahr hatte Lonely Planet Albanien zur Topdestination gekürt.

Klassischere Reiseziele wie jene in Nordafrika leiden auch zu Jahresbeginn weiter unter den Unruhen. Davon wiederum profitierten Bulgarien und Kroatien. Seit Längerem rückläufig ist der Reisestrom nach Frankreich. Starke Zuwächse verzeichnete Thomas Cook im Luxussegment, das nun stärker bearbeitet werden soll.

Vorstand Afukatudis bestätigte den Trend der vergangenen Jahre, dass später gebucht wird und die Reisenden flexibler auf weltpolitische Spannungen reagieren. Der Thomas-Cook-Konzern steigerte den Umsatz in Mitteleuropa im Vorjahr um knapp ein Fünftel auf 84 Mio. Euro.

Konkurrent TUI sieht unterdessen Individualität und Erlebnis als Megatrends im neuen Jahr. „Der Wunsch nach mehr Individualität, die Sehnsucht nach Erlebnis, Vergnügen und persönlicher Entwicklung führen dabei zu neuen Anforderungen an die Pauschalreise“, erklärte Josef Peterleithner, Konzernsprecher der TUI Austria Holding.

Der Reiseanbieter setzt deshalb auf die Entwicklung eigener Hotelkonzepte, im Sommer kommt die Marke Viverde dazu. Auch nähmen die Österreicher bei ihrem Buchungsverhalten stärker Rücksicht auf die Umwelt. Und auch das Thema Sicherheit sei entscheidend, sagte Peterleithner. Immer beliebter würden zudem Bausteinreisen, bei denen die verschiedenen Reisebausteine (Flüge, Hotels, Rundreisen) zu einem individuellen Paket zusammengeschnürt werden. Der Boom bei Kreuzfahrten sei ungebrochen. (wer, APA)

Quelle: Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 05.01.2012

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