Hunderttausende Auslandsrentner in der Steuerfalle

Posted on 30. January 2012

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Rentner im Ausland sind oft nur beschränkt steuerpflichtig. In diesem Fall entfällt der Freibetrag und sie müssen zahlen. Doch es gibt einen Ausweg.

Stanko B. traf beinahe der Schlag. Der 83-Jährige ist vor fünf Jahren nach einem halben Leben in Deutschland wieder in seine alte Heimat Kroatien zurückgekehrt, um dort seinen Ruhestand zu verbringen. Dort lebt er mehr schlecht als recht von seiner deutschen Rente in Höhe von 480 Euro, weitere Einkünfte hat er nicht, Vermögen ebenfalls nicht.

2010 starb zudem seine Frau, sein Leben ist also schwer genug. Doch nun stellte ihm vor wenigen Tagen auch noch das Finanzamt Neubrandenburg die Steuerbescheide für die Jahre 2007 bis 2010 zu. Ergebnis: Er soll rund 3200 Euro an Steuern nachzahlen.

So etwas wie ihm droht derzeit Hunderttausenden Rentnern, die im Ausland leben und eine deutsche Rente beziehen. Denn seit Mitte vergangenen Jahres schreibt das Finanzamt Neubrandenburg alle Auslandsrentner an, da es die zentrale Verantwortung für sie hat. Rund 1,6 Millionen solcher Rentner gibt es, etwa 500.000 haben bereits einen Brief aus Neubrandenburg erhalten.

Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärung

Darin fordert das Amt sie zur Abgabe einer Steuererklärung auf, so wie das andere Finanzämter seit 2011 auch mit Rentnern tun, die in Deutschland leben. Der Unterschied ist jedoch, dass für Auslandsrentner spezielle Regeln gelten. Und diese können für die Betroffenen zu einer teuren Steuerfalle werden.

Wirtschaftweise empfehlen Rente mit 69

Zunächst ist alles gleich wie bei anderen Rentnern. Das Finanzamt zieht zur Berechnung der Steuer von der Rente in einem ersten Schritt den steuerfreien Teil ab. Bei Stanko B. sind das 50 Prozent seiner Rente, da er schon vor vielen Jahren in Ruhestand ging. Für spätere Rentnerjahrgänge kann es jedoch weniger sein, denn seit 2006 steigt der steuerpflichtige Anteil jedes Jahr um zwei Prozentpunkte.

Wer also 2011 in Rente ging, muss schon 62 Prozent der Rente versteuern. Der Satz aus dem Jahr des Rentenbeginns wird dann für den Rest des Lebens festgeschrieben. Vom steuerpflichtigen Anteil dürfen Rentner jedoch noch den Grundfreibetrag abziehen. Für 2011 betrug dieser 8004 Euro. Wer also nur 50 Prozent seiner Rente versteuern muss, zahlt erst für jenen Anteil Steuern, der über 16.008 Euro hinausgeht. Die Folge ist, dass die meisten Rentner keine Steuern bezahlen müssen.

 Beschränkte Steuerpflicht

Doch hier versteckt sich nun die Steuerfalle für Auslandsrentner. Denn sie gelten als beschränkt steuerpflichtig. Das hört sich zunächst gut an, es klingt, als ob man damit weniger Steuern bezahlen müsste. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Beschränkt Steuerpflichtige erhalten nämlich diesen Grundfreibetrag nicht.

Das bedeutet, dass sie auf den steuerpflichtigen Teil ihrer Rente vom ersten Euro an Steuern bezahlen müssen, und damit schon für Kleinstrenten Steuern fällig werden. Von den 5760 Euro Jahresrente wurden bei Stanko B. also zwar 50 Prozent steuerfreier Anteil abgezogen. Für die restlichen 2880 Euro wurden dann jedoch vom ersten Euro Steuern berechnet. So kam es zu der Nachforderung von über 3000 Euro für die vier Jahre von 2007 bis 2010.

Quelle: welt.de

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