Antizyklisches Kroatien

Posted on 30. January 2012

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Mitten in der Krise entscheidet sich ein Land für die EU und schafft damit Fakten für deren politisches Fortbestehen.

Die Kroaten haben sich gegen den Trend gestellt. Mit einer Zweidrittelmehrheit haben sie dem EU-Beitritt zugestimmt. Das ist gerade in Zeiten der Finanz- und Schuldenkrise beachtlich. Einziger Schönheitsfehler ist die geringe Wahlbeteiligung, die in einer jungen Demokratie auf ein mangelndes Verantwortungsbewusstsein großer Bevölkerungsteile weist.

 Doch die antizyklische Entscheidung schafft auch Fakten für den Fortbestand der Europäischen Union. Sie zeigt, welche Verantwortung die EU in der südosteuropäischen Region hat. Sie differenziert das Bild wachsender euroskeptischer Bewegungen, die mit Brüssel vor allem Bürokratie, Zentralismus und Erfolglosigkeit verknüpfen. Der kroatische Beitritt ist eine Erfolgsgeschichte, ein Hinweis darauf, dass die EU trotz all ihrer Fehlentwicklungen die Aufgabe der demokratischen Stabilisierung des Kontinents noch immer erfüllt. Die Nachfolgestaaten des kriegerisch zerfallenen Jugoslawien haben durch die EU eine Chance erhalten, einzelstaatlich und doch in einem gemeinsamen Wirtschaftsraumzu koexistieren.

Und dieses klare Ja der Kroaten ist auch ein Erfolg für Österreich, das seit Jahrzehnten eine EU-Perspektive für alle Staaten Ex-Jugoslawiens forciert hat. Für Länder wie Serbien oder Bosnien ist es ein Ansporn für weitere wirtschaftliche, aber auch rechtsstaatliche Reformen, und für die EU die Chance, das Sicherheitsproblem Balkan ein für alle Mal in den Griff zu bekommen.

Quelle: wolfgang.boehm@diepresse.com

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